150 Jahre Rhönklub – Jubiläums-Bergfest des Zweigvereins Hammelburg

Veranstaltung begeisterte – Rückblick auf die eigene Geschichte

Von Franz Herrler

„Eine Vereinsgeschichte, die auf 150 Jahre zurückblickt, ist ein außergewöhnlicher historischer Meilenstein. Er unterstreicht eindrucksvoll die Beständigkeit unseres Heimatvereins sowie dessen besonderes Engagement und seine tief verwurzelte Grundgesinnung. … Dieses besondere Jubiläum erinnert uns an die Gründung des Rhönklubs im Jahre 1876 in Gersfeld und steht für eine eindrucksvolle Geschichte gelebter Heimattreue, aktiven Naturschutzes und gemeinschaftlichen Engagements. … Was damals vor 150 Jahren bei der Gründung begann, ist heute lebendiger denn je. Der Rhönklub verbindet Menschen über Generationen hinweg. Er bringt Jung und Alt zusammen, Einheimische und Gäste, Naturfreunde, Wanderbegeisterte und Kulturinteressierte. In einer Zeit, in der vieles schnell, laut und flüchtig geworden ist, steht der Rhönklub für etwas Beständiges: für Verlässlichkeit, für ehrenamtliches Engagement und für die stille, aber kraftvolle Freude an der Natur.“

Mit diesen Worten begrüßte unsere Vorsitzende Edeltraud Spies über 150 Teilnehmer auf der MuseumsInsel in Hammelburg. Stellvertretend für alle Teilnehmer begrüßte sie Bürgermeister Armin Warmuth (auch unser Mitglied), die stellvertretende Landrätin Brigitte Meyerdierks, Rhönklub-Präsident Klaus Neisser, unseren Ehrenvorsitzenden Günter Dittmar sowie ihren Amtsvorgänger Alfred Jeurink.

Als der Rhönklub am 6. August 1876 in Gersfeld gegründet wurde, war Hammelburg eine der 15 „Sektionen“. Edeltraud Spies dazu: „Heute feiern wir ein besonderes Jubiläum: 150 Jahre gelebte Heimatverbundenheit, 150 Jahre Gemeinschaft, 150 Jahre Einsatz für das Wandern, für unsere Natur und für die kulturelle Identität unserer Rhön“.

Die Ehrengäste sprachen Grußworte und überbrachten auch ein Geschenk. Rhönklub-Präsident Klaus Neisser überbrachte seine persönlichen und die Glückwünsche des Gesamt-Vorstands und betonte, dass es erfreulich sei, zu erleben, dass sich immer viele Helfer zu ganz unterschiedlichen Veranstaltungen fänden, es aber andererseits immer schwieriger werde, Mitglieder für eine ehrenamtliche Tätigkeit in einer Funktion für den Zweigverein / für den Rhönklub zu finden. Wörtlich: „Ich bitteSie, sich für Ihren Verein und damit für den Rhönklub zu engagieren; Sie sehen selbst, dass es ohne Ehrenamt nicht geht, es dient dem Wohl Aller und für unsere gemeinsame Zukunft.“

Besonderer Moment

Edeltraud Spies weiter: „Ein besonderer Moment in der Geschichte unseres Zweigvereins war die Mitgliederversammlung am 29. März 2025. Nach neun Jahren engagierter Vorstandsarbeit von Alfred Jeurink wurde ich von den Mitgliedern einstimmig zur Vorsitzenden gewählt. Damit darf ich als erste Frau in der 150-jährigen Geschichte des Rhönklub-Zweigvereins Hammelburg dieses Amt übernehmen – eine große Ehre, aber auch eine Verantwortung, der ich mich mit Freude und Respekt stelle. … Lassen Sie uns deshalb heute nicht nur 150 Jahre Geschichte feiern, sondern auch 150 Jahre Leidenschaft, Zusammenhalt und Zukunftssinn. Stoßen wir an auf den Rhönklub, auf seine Menschen, auf seine Werte und auf viele weitere Jahre im Dienst der Heimat, der Natur und der Gemeinschaft.“

Mit diesen Worten leitete sie über zur „Rhönhymne“ „Ich weiß basaltene Bergeshöhn“, und unser bewährter Alleinunterhalter Dieter Nöth begleitete uns mit Rhön- und Wanderliedern durch den Nachmittag – er sorgte wieder mal für tolle Stimmung!

Unsere neue stellvertretende Vorsitzende Doris Grundmann-Kleinhenz hatte einen wunderschönen, stilvollen Tisch- und Blumenschmuck arrangiert, unter Verwendung von Blumen nur aus der Natur und aus dem eigenen Garten. Es war ein ausgefüllter, abwechslungsreicher Nachmittag mit Musik, Gesang und guten Gesprächen. Zunächst gab es eine Vielzahl lecker schmeckender, selbstgebackener Kuchen und Kaffee.

Aus der Chronik

Einige Mitglieder hatten Beiträge vorbereitet. Franz Herrler trug zunächst vor, dass die „Sektion Hammelburg“ im Jahre 1885 die Generalversammlung für den Rhönklub ausgerichtet hatte. In der Chronik des Zweigvereins wird hierzu aus einem Zeitungsbeitrag berichtet: „Die meisten der 200 Teilnehmer (mit „reichem Damenflor“) trafen um 11:20 Uhr mit der Lokalbahn oder mit Equipagen ein. Sie wurden am Bahnhof von einer „magistratischen Deputation“ begrüßt, mit der Sulzthaler Kapelle und berittener Feuerwehr durch die reich beflaggten Straßen der Stadt zum Frühschoppen in das Hotel Post begleitet. Nach der Versammlung war fröhliches Beisammensein bei Musik und Gesang und abends Tanz im Festsaal des Hotels Post. Am zweiten Tag Punkt 9 Uhr waren auf dem prächtigen Marktplatz so ziemlich alle Festteilnehmer des vergangenen Tages versammelt, und nun ging es, theils zu Fuß, theils in eleganten Chaisen, theils auf geschmückten Leiterwagen, mit der unermüdlichen Sulzthaler Kapelle an der Spitze, zum Städtchen hinaus nach der alten Sodenburg. Es war ein Bild vollkommener, ungetrübter Heiterkeit, und als gar Dr. Schneider aus Fulda in einer prächtigen humoristischen Rede darlegte, wie noch vor etwa 20 Jahren niemand zur Rhön gehören, niemand als Rhöner gelten wollte und wie jetzt alles dazu dringe, zum Rhöngebiet zu gehören und der Sodenberg durch allgemeine Abstimmung von jetzt ab auch als Rhönberg zu bezeichnen sei, da brach allgemeiner Jubel aus und der folgende Toast wurde wahrhaftig begeistert dargebracht.“

Hammelburg war auch Gastgeber für die Generalversammlungen 1932 (dabei war im Bericht vermerkt „ein Glas guten Weins kostete 20 Pfennig“) und zuletzt 1977.

Gedenksteine Sodenberg

Als nächsten Beitrag trugen Konrad Hoffmann und Franz Herrler vor, warum und wie unsere „Gedenksteine“ auf den Sodenberg kamen. Bewusst haben wir in diesem Jahr eine Ansicht der Steine für das Titelblatt unseres Jahresplanes gewählt (siehe Foto, im Hintergrund Hammelburg). Die Idee zu den Steinen hatten der Vorstand (Hans Biller und Walter Ullrich), Landrat Herbert Neder, Bürgermeister Elmar Hartung und Kreisheimatpfleger Eugen Weiß: einerseits als dauerhaftes Zeichen für den Sodenberg als südlichsten Berg der Rhön, und gleichzeitig um der verstorbenen Mitglieder gedenken. Somit wurde ein im Rhönklub einzigartiges Denkmal geschaffen. Die Steine (roter Sandstein) stammen aus dem Steinbruch zwischen Völkersleier und Heiligkreuz, wurden bei der Steinmetzfirma „Herterich“ in Hammelburg-Westheim bearbeitet und an einem Samstag im Juni 1987 aufgestellt – alles durch freiwillige Helfer: Bagger von der Firma „Bindrum“, Lkw von der Stadt, Beton von der Firma „Saale-Beton“. Dann hat es ein Jahr gedauert bis zur „Einweihung“ am Sonntag, 7. August 1988; dabei wurde Speis und Trank für etwa 200 Personen mit einem Lkw (mit Hebebühne) der Kuvert-Fabrik „Kaiser“ organisiert. Bei der „Enthüllung“ war der Sodenberg-Gans noch unbepflanzt „nackt“, aber nach der Anpflanzung von zwei Berglinden haben Konrad Hoffmann und Leo Ohmert etwa drei Jahre lang zweimal pro Monat mit Konrads Traktor jeweils drei Fässer mit je 100 Liter Wasser (auf der Ackerschiene!) herauftransportiert. Die beiden jetzigen Wacholderbüsche links und rechts der Steine wurden später gepflanzt.

Partnerschaft mit Melkers

Konrad Hoffmann trug vor, wie es zur Entstehung der Partnerschaft mit dem Zweigverein Melkers gekommen ist. Er ist der Letzt-Überlebende von drei Männern, die am 25. März 1990 zur Erkundung einer Wanderung in der Rhön unterwegs waren; Unterlage war eine Rhön-Wanderkarte von 1953. Am provisorischen Grenzübergang Fladungen waren die Formalitäten schnell erledigt. Auf dem Weg zur Meininger Hütte kamen die Drei jedoch auf militärisches Gebiet einer Anlage von Sowjet-Soldaten und wurden prompt von zwei „Jeep-Besatzungen“ mit vorgehaltenen Maschinenpistolen festgenommen, in eine „Baracken-Kaserne“ gefahren, in Einzelzellen gesperrt, mit dem Vorwurf der Spionage verhört und erst nach mehreren Stunden nach Unterschrift eines „Protokolls“ wieder freigelassen. Nach diesem doch nicht ungefährlichen „Gefangenschafts-Erlebnis“ hatten die Drei keine Karte mehr und großen Hunger. Sie fuhren über Träbes und Stepfershausen ins Herpf-Tal hinunter. Am Ortseingang von Melkers waren Leute in Wanderkleidung. Im Gespräch wurden nicht nur Thüringer Bratwürste angeboten, sondern man vereinbarte eine gemeinsame Wanderung über die Geba. Diese gemeinsame Wanderung am 29. April 1990 war der Beginn einer Freund- und Partnerschaft. Am 27. Juni 1990 kam Hammelburg zu einem Besuch zu den Wanderfreunden nach Melkers. Am 1. Juli 1990 kamen Melkerser Wanderer zur „Gaustern-Wanderung“ nach Hammelburg. Am 30. August 1990 wurde der „Zweigverein Melkers“ gegründet und auch die offizielle Gründung der Partnerschaft Hammelburg-Melkers.

Nach Vorträgen, Musik, Gesang von Wanderliedern und Unterhaltung wurde es Zeit für eine kräftige Stärkung mit einem vorzüglichen, umfangreichen und geschmackvoll arrangierten, kalten Buffet mit Köstlichkeiten von italienischen Vorspeisen bis zu echt-fränkischem „Gerupften“.

Für diese einmalige Jubiläumsfeier haben wir allen Grund, uns bei fast 40 Helferinnen und Helfern herzlich zu bedanken: Auf- und Abbau in und außerhalb der Halle, den schönen Tischschmuck, Kuchen-Bäckerei, Café-Bar, Getränke-Ausschank, Spüldienst, Ausarbeiten von Unterlagen, Dieter Nöth für die tolle Musik und „für so manches, was im Hintergrund läuft.“

Unser ehemaliger Vorsitzender Alfred Jeurink sprach im Namen aller Teilnehmer unserer Vorsitzenden Edeltraud Spies mit ihrem Vorstandsteam den Dank aus für die Gesamt-Verantwortung für das Gelingen dieser Feier und die Mitarbeit so vieler Frauen und Männer.

Ich beende diesen Bericht mit dem Schlusssatz aus dem Zeitungsbericht von der Generalversammlung 1885: „Am Abend war der schöne Tag zu Ende“.

Alle Fotos: Franz Herrler

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