Rhönklub feierte seinen 150. Geburtstag mit einem bunten, abwechslungsreichen Festwochenende am Gründungsort Gersfeld
Der Rhönklub-Hauptverein feierte sein 150-jähriges Bestehen mit einem großen, bunten Jubelfest, das viele Besucher in den Schlosspark in Gersfeld anzog – nur wenige Meter entfernt von dem Ort, an dem der Verein am 6. August 1876 gegründet worden war.
- 1876Gründung am 6. August in Gersfeld
- 77Zweigvereine
- 3Länder: Hessen, Bayern, Thüringen
- 2Festtage: Festabend & Festsonntag
Der GründungsortGersfeld
Als der Fuldaer Arzt Dr. Justus Schneider für den 6. August 1876 zur Landpartie nach Gersfeld einlud, da war ihm und seinen Mitstreitern offenbar nicht bewusst, wie viele Menschen ein Interesse daran hegten, die Rhön besser zu erschließen. Dass die Resonanz so groß war, führte damals dazu, dass die Rhönklub-Gründer aus dem zu kleinen Gasthaus „Stern“ in den Saal der Gaststätte „Zum Hirsch“ ausweichen mussten, dem so die Ehre des Gründungslokals zuteil wurde.
FestsonntagRhönklub wird 150: Zeitreise mit Musik und Gedicht
Immer wieder führten Feiern und Jubiläen nach Gersfeld. Und so war es nur konsequent, dass auch die 150-Jahr-Feier des Gesamtvereins in dem Rhönstädtchen gefeiert wurde.
Damit schloss sich nun ein Kreis: In Fulda wurde mit dem Stadtschloss an einem Ort auf die Gründung durch den Arzt Schneider erinnert, der unweit seines Geburtshauses liegt. In der einstigen Borgiasstraße, heute Borgiasplatz, wuchs er als einziger Sohn von Katharina und Dr. Joseph Schneider auf, von dem er die Liebe zur Rhön wohl in die Wiege gelegt bekam. In Gersfeld organisierte der dortige Zweigverein nun federführend das Fest für den Gesamtverein im Schlosspark – und damit direkt gegenüber der Gründungsgaststätte „Zum Hirsch“.
Vor dieser spielte sich am Sonntag ein kleines historisches Spektakel ab: Schneiders neunter Nachfolger als Präsident, Klaus Neisser, wurde – in dunklem Anzug und Zylinder gewandet – mit der Kutsche vor dem Lokal vorgefahren, in dem der Verein gegründet wurde. Weitere Mitglieder stellten Mitgründerinnen und -gründer dar.
Vor der Gaststätte verlas Neisser symbolisch die Gründungsbekanntmachung und den ersten Paragrafen der Satzung, worin die Ziele des Rhönklub festgehalten sind:
§ 1 der Satzung von 1876
„Der Rhönklub hat den Zweck, den Besuch des Rhöngebirges zu erleichtern und annehmlicher zu machen durch Aufstellung von Wegweisern, Verbesserung der Gebirgswege, Herstellung von Aussichtspunkten und Ruheplätzen sowie auf Verbesserung der Gasthäuser und Ausbildung von Fremdenführern hinzuwirken. Überhaupt sollen die Mitglieder durch Wort und Schrift für den Besuch des Rhöngebirges zu wirken suchen.“
„Wir wollten bewusst kein großes Schauspiel aufführen, aber doch gerne irgendwie an die Gründung erinnern“, sagte Gersfelds Zweigvereinsvorsitzende und einstige Bürgermeisterin Margit Trittin. Mit dem Singkreis des Rhönklubs intonierte sie nach Neissers Besuch das Gründungslied nach der Melodie des Liedes „Prinz Eugen der edle Ritter“. Nach einem Gedicht des Geisaer Apothekers Geheeb, der zu den Gründern gehörte, lud Neisser in Erinnerung an den 6. August 1876 zur Wanderung auf die 768 Meter hohe Große Nalle ein. Ob diese am Sonntag tatsächlich jemand antrat, ist nicht überliefert.
Der Tag hatte mit einem Gottesdienst im Schlosspark begonnen. Der evangelische Pfarrer Helmut Stradal predigte über Heimat und Schöpfung. „Ich wünsche uns allen, dass uns der Blick über die offenen Fernen der Rhön den Horizont weitet und uns die Heimat hier und bei Gott erschließt“, sagte er. Sein katholischer Amtsbruder Jörg-Stefan Schütz hatte zuvor mit einem Witz begonnen, in dem Gott Touristen sagt, in der Rhön sei er im Homeoffice.
Beim bunten Treiben mit vielen Mitmachangeboten sowie bei Speis und Trank im Schlosspark wurde die Verbreitung des Rhönklubs deutlich: Während die Delegierten tagten, waren auch draußen viele bunte T-Shirts mit Aufdrucken aus den 77 Zweigvereinen zu sehen.
SamstagabendAbwechslungsreicher Festabend
Mit einem stimmungsvollen Festabend in der voll besetzten Stadthalle Gersfeld feierte der Rhönklub sein stolzes 150-jähriges Bestehen am Vorabend des Festsonntags. Er demonstrierte, dass Kultur, Brauchtum und Zusammenhalt eine lange Tradition, aber auch Zukunft haben.
Den thematischen Schwerpunkt setzte die Festansprache von Vizepräsident Bernd Müller-Strauß, der sowohl auf 150 Jahre zurückblickte als auch einen engagierten Ausblick in die Zukunft wagte. So sei der Rhönklub 1876 gegründet worden, „um den Menschen die Schönheit der Rhön näherzubringen“ – ein Ziel, das gleichgeblieben sei: die Liebe zur Rhön. Vor allem betonte er:
„Wir sind das Aushängeschild der Rhön und müssen es bleiben. Das braucht Mut zur Veränderung. Nicht Tradition aufgeben, sondern in eine moderne Form übersetzen. Der Rhönklub ist der Schatz der Rhön, in dem die Natur schon gepflegt wurde, als dies noch keineswegs allgemein in der Gesellschaft anerkannt war, genau wie die Gemeinschaft.“
— Bernd Müller-Strauß, Vizepräsident
Das Kulturprogramm des Festabends stand auf beeindruckende Weise für das engagierte Zusammenspiel der drei Rhönklub-Länder Hessen, Bayern und Thüringen.
✦ ✦ ✦
Impressionen vom Festwochenende
Samstag – Festabend in der Stadthalle
Sonntag – Festtag im Schlosspark
Fotos: Wolfgang Zebisch

































